Herstellung des Gin Lossie Ostwestfalen Dry Gin:
Der Gin Lossie beruft sich nach eigenen Angaben auf eine über 275 Jahre zurückreichende ostwestfälische Brenntradition, die in und um Bielefeld gepflegt wird – eine Region, die historisch für ihre Korn- und Rübenbrennereien bekannt ist. Als Basis dient landwirtschaftlicher Alkohol aus Zuckerrüben, der in mehreren Durchgängen in kleinen Chargen destilliert wird, bevor er mit ausgewählten Botanicals versetzt und anschließend mit Quellwasser auf Trinkstärke gebracht wird. Das Ergebnis wird von Hand in traditionelle Tonkrüge abgefüllt statt in gewöhnliche Glasflaschen – eine bewusste Entscheidung gegen industrielle Massenproduktion, die jede Flasche durch die handwerkliche Herstellung der Krüge zu einem Unikat macht, wie es der Hersteller selbst beschreibt.
Diese Kombination aus mehrfacher Kleinchargen-Destillation und der aufwendigen Krug-Abfüllung positioniert den Gin Lossie bewusst zwischen historischem Handwerk und moderner Gin-Interpretation: Die Rezeptur orientiert sich an klassischen Dry-Gin-Prinzipien, während die Präsentation in steinzeugähnlichen Gefäßen eher an traditionelle Kornbrand- oder Genever-Krüge erinnert, wie sie in Norddeutschland und den Niederlanden seit Jahrhunderten gebräuchlich sind. Mit 44 % vol. liegt der Gin Lossie im für New Western Dry Gins üblichen Bereich und bietet damit genug Kraft für klassische Longdrinks, ohne die für den Stil charakteristische Zugänglichkeit zu verlieren.
Auch preislich positioniert sich der Gin Lossie klar im Manufaktursegment: Die 0,7-Liter-Flasche im Tonkrug wird deutlich oberhalb des Preisniveaus üblicher Supermarkt-Gins gehandelt, ergänzt um eine kleinere 0,2-Liter-Variante für alle, die das Produkt zunächst in kleinerer Menge kennenlernen möchten. Diese Preisstruktur unterstreicht den Anspruch, kein Massenprodukt, sondern ein bewusst limitiertes Handwerksprodukt anzubieten, dessen Wert sich nicht zuletzt aus der aufwendigen Krug-Fertigung ergibt.
Verkostung des Gin Lossie Ostwestfalen Dry Gin:
In der Nase präsentiert sich der Gin Lossie ausgewogen, mit Wacholder als erkennbarem, aber nicht dominierendem Fundament, begleitet von krautigen und leicht würzigen Nuancen. Am Gaumen zeigt sich eine harmonische Balance aus Wacholder, Kräutern und einer dezenten Würze, die den New-Western-Stil des Gins unterstreicht, ohne in eine bestimmte Richtung – etwa stark zitrisch oder stark floral – auszuschlagen. Der Abgang ist mittellang und angenehm rund, mit einem sanften Nachklang aus Kräutern und Wacholder, der den handwerklichen, unaufgeregten Charakter des Gins widerspiegelt.
Steckbrief Gin Lossie Ostwestfalen Dry Gin:
Alkoholgehalt: 44 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder und ausgewählte Kräuter nach Hausrezept auf Basis von landwirtschaftlichem Zuckerrüben-Alkohol; die vollständige Botanical-Liste veröffentlicht der Hersteller nicht
Hersteller: Gin Lossie, Ostwestfalen (Bielefeld), Deutschland
Herstellung im Detail: Der Tonkrug statt der Glasflasche
Die auffälligste Besonderheit des Gin Lossie ist seine Abfüllung: Statt der für Gin sonst nahezu universellen Glasflasche verwendet der Hersteller traditionell gefertigte Tonkrüge, wie sie früher für Kornbrand, Genever oder Steinhäger üblich waren. Da jeder Krug individuell in Handarbeit entsteht, unterscheiden sich die Gefäße leicht in Form, Glasur und Maserung – eine Eigenschaft, die eine echte Serienproduktion im industriellen Maßstab praktisch ausschließt und den Gin Lossie bewusst zu einem Manufakturprodukt in limitierter Stückzahl macht. Diese Entscheidung reiht sich ein in eine wachsende Zahl deutscher Kleinbrennereien, die über ungewöhnliche Verpackungskonzepte versuchen, sich von der breiten Masse standardisierter Gin-Flaschen abzuheben, ohne dabei den Anspruch an eine sorgfältige, mehrfach destillierte Spirituose aufzugeben. Die Verwendung von Zuckerrüben-Alkohol als Basis ist dabei ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Während viele Premium-Gins auf Getreide- oder Weinalkohol setzen, greift Ostwestfalen als traditionelle Anbauregion für Zuckerrüben auf einen regional naheliegenden Rohstoff zurück, der dem Gin eine leicht andere, mitunter etwas rundere Textur verleihen kann als ein reiner Getreidebrand.
Verwendung des Gin Lossie Ostwestfalen Dry Gin
- Gin & Tonic: Ein ausgewogenes, klassisches Tonic Water wie Fever Tree Premium Indian Tonic Water passt gut zum harmonischen, nicht zu extremen Profil des Gin Lossie und lässt die Kräuternoten erkennbar bleiben.
- Mit Zitrusfrische: Wer dem Gin mehr Frische verleihen möchte, kombiniert ihn mit Goldberg & Sons Mediterranean Tonic, dessen mediterrane Kräuternoten die krautige Seite des Gins ergänzen.
- Als Geschenk: Wegen der individuell gefertigten Tonkrug-Flasche eignet sich der Gin Lossie besonders gut als persönliches Geschenk, bei dem die Verpackung selbst schon einen Erzählwert besitzt, der über den reinen Trinkgenuss hinausgeht.
Der Gin Lossie eignet sich für alle, die einen soliden, unaufgeregten deutschen New Western Dry Gin suchen und gleichzeitig Wert auf eine ungewöhnliche, handwerklich gefertigte Verpackung legen, die sich deutlich von der Massenware im Supermarktregal abhebt. Im Vergleich zu bekannteren norddeutschen Nachbarn wie dem Berliner Brandstifter Gin tritt der Gin Lossie weniger urban und mehr ländlich-traditionsbewusst auf: Statt auf eine explizit großstädtische Markenerzählung zu setzen, positioniert er sich über seine regionale Brenntradition und die auffällige Tonkrug-Abfüllung, die dem Produkt trotz vergleichsweise geringer Bekanntheit ein hohes Wiedererkennungspotenzial verleiht. Der über dem Supermarktniveau liegende Preis erklärt sich dabei direkt aus der handgefertigten Krug-Abfüllung in Kleinserie.
Einordnung & Alternativen
- Calluna Lüneburger Heide Gin – ein weiterer regional verwurzelter deutscher Gin, allerdings in klassischer Glasflasche statt Tonkrug.
- Woodland Sauerland Dry Gin – ähnlich ländlich-regional positioniert, botanisch aber stärker auf Nadelholz- statt Kräuternoten ausgerichtet.
- Humboldt Gin – deutscher Manufaktur-Gin mit vergleichbarem Qualitätsanspruch, dafür deutlich urbanerer Markenerzählung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Gin Mare
Salzig-herzhafte Oliven- und Kräuternote aus Basilikum und Rosmarin dominiert statt Wacholder — der Pionier des mediterranen Gin-Stils.

Gin Sul
Harzig-florale Zistrose statt Wacholder als aromatisches Rückgrat, verbunden mit sonnengereiften Algarve-Zitronen — mild und äußerst ausbalanciert.

Ginraw Barcelona Dry Gin
Zitronig-frisch mit harziger Lorbeernote und pfeffriger Kardamomwürze — kulinarisch komponiert, Wacholder tritt bewusst zurück.

Gretchen Schwarzwald Dry Gin
Waldig-krautiges Profil mit zurückhaltendem Wacholder, das an Schwarzwälder Nadelwälder erinnert — rund und unaufgeregt im Abgang.
Dazu passendes Tonic Water

Thomas Henry Cherry Blossom Tonic
Intensives, süßlich-fruchtiges Kirscharoma dominiert — die fruchtigste Tonic-Variante der Marke.

Thomas Henry Coffee Tonic
Kaltextrahierter Arabica-Kaffee trifft auf Chinin-Bitterkeit und Karamellsüße — ungewöhnlich, aber ausbalanciert.

Thomas Henry Elderflower Tonic Water
Milde Süße und feine Zitrusnoten mit einer dezenten Holunderblüte im Hintergrund der Bitternote.
Passende Gin & Tonic Kombinationen

New Western Dry Gin erklärt
Wacholder als einer unter vielen gleichberechtigten Botanicals statt Hauptdarsteller – die 2006 von Ryan Magarian geprägte 'botanische Demokratie'.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Die häufigsten Gin-Botanicals: Auswertung von 191 Gins
191 Gins im Zahlenvergleich: Wacholder fast überall, Koriander und Angelika im Kern, darüber hinaus entscheidet die Handschrift der Brennerei.
