Herstellung des Bodensee Dry Gin:
Der Bodensee Dry Gin stammt von der Senft Destillerie im badischen Salem-Rickenbach, unmittelbar am Bodensee gelegen. Die Familie Senft betreibt ihre Brennerei seit 1983, als Seniorchef Herbert Senft den Grundstein für den heutigen Familienbetrieb legte. Mittlerweile führt die nächste Generation um Edelbrand-Sommelière Silke Senft und Kellermeister Herbert Senft das Haus weiter, das sich einen Namen mit über 40 verschiedenen Edelbränden gemacht hat – von Obstbränden aus Birnen, Äpfeln und Mirabellen über Liköre bis hin zu Rum und Single Malt Whisky. Der Dry Gin ist eine vergleichsweise junge Ergänzung dieses breiten Sortiments und wird in überschaubaren Mengen von rund 4.000 Litern pro Jahr produziert, was den handwerklichen Charakter des Betriebs unterstreicht.
Für den Bodensee Dry Gin greift die Destillerie auf Bio-Weizen als Basis zurück und mazeriert und destilliert damit eine außergewöhnlich umfangreiche Rezeptur von 42 Botanicals aus aller Welt. Nach der Destillation ruht der Gin zunächst in Edelstahltanks, bevor er auf Trinkstärke verdünnt und abgefüllt wird – ein Verfahren, das dem fertigen Produkt Klarheit und Reinheit verleihen soll, ohne den Charakter der einzelnen Botanicals durch zusätzliche Fasslagerung zu verändern. Verdünnt wird auf 44 % vol., einen für kontinentaleuropäische Gins typischen, kräftigen Alkoholgehalt. Die Senft Destillerie öffnet ihre Türen zudem für Besucher: Wer möchte, kann die Produktion vor Ort besichtigen und an Verkostungen teilnehmen – ein Konzept, das die Brennerei zu einem festen Bestandteil der touristischen Genussregion Bodensee gemacht hat.
Verkostung des Bodensee Dry Gin:
In der Nase zeigt sich der Bodensee Dry Gin zunächst zurückhaltend wacholderbetont, begleitet von einer feinen, krautig-grünen Note, die auf die Vielzahl an verwendeten Botanicals schließen lässt. Am Gaumen entfaltet sich eine breite Palette an Würznoten, die typisch ist für Rezepturen mit derart hoher Botanical-Zahl: Statt einer klar dominierenden Zutat entsteht ein vielschichtiges, ineinander verwobenes Aromenbild, in dem sich dezente Zitrusfrische mit krautigen und leicht würzigen Facetten abwechselt. Der Gin präsentiert sich dabei angenehm weich und rund, ohne an Trockenheit zu verlieren – ein Stil, der eher auf harmonisches Zusammenspiel als auf eine markante Einzelnote setzt. Der Abgang ist mittellang, würzig und schließt mit einem sauberen, trockenen Finish, das den Bio-Weizen als Basisspirituose erkennen lässt.
Steckbrief Bodensee Dry Gin:
Alkoholgehalt: 44 % vol.
Verwendete Botanicals: 42 Botanicals aus aller Welt (u. a. Wacholder), genaue Rezeptur nicht öffentlich bekannt
Hersteller: Senft Destillerie, Salem-Rickenbach, Deutschland
Botanicals des Bodensee Dry Gin im Detail
Mit 42 Botanicals gehört der Bodensee Dry Gin zu den rezeptmäßig umfangreichsten Gins am Markt – eine Zahl, die deutlich über dem liegt, was die meisten London Dry Gins oder klassischen New-Western-Vertreter verwenden. Die Senft Destillerie macht die vollständige Botanical-Liste nicht öffentlich zugänglich, was bei kleineren Familienbetrieben nicht unüblich ist, die ihre Rezeptur als Betriebsgeheimnis behandeln. Bekannt ist, dass Bio-Weizen als Basisspirituose dient und die Botanicals gemeinsam mazeriert und destilliert werden, bevor der Gin zur Reifung in Edelstahltanks kommt. Eine derart hohe Botanical-Zahl verfolgt in der Regel das Ziel, ein möglichst rundes, in sich geschlossenes Geschmacksbild zu erzeugen, bei dem keine einzelne Zutat heraussticht, sondern viele kleine Aromenbausteine ein harmonisches Gesamtprofil ergeben. Das unterscheidet den Bodensee Dry Gin von Rezepturen, die bewusst auf wenige, klar erkennbare Botanicals setzen, und macht ihn zu einem Gin, der sich eher über sein Gesamtbild als über einzelne, benennbare Aromen definiert.
Verwendung des Bodensee Dry Gin
- Gin & Tonic: Da der Bodensee Dry Gin auf ein ausgewogenes, vielschichtiges Aromenbild statt auf eine dominante Einzelnote setzt, passt ein klassisches, neutral gehaltenes Tonic wie Schweppes Indian Tonic Water besonders gut, da es die feine Würze des Gins nicht überdeckt. Wer den krautigen Charakter zusätzlich betonen möchte, kann auch zu 1724 Tonic Water mit seiner dezenten, hochwertigen Bitterkeit greifen.
- Dry Martini: Die Rundheit und Würze des Gins funktionieren auch in einem klassisch-trockenen Martini gut, wo sich die Vielschichtigkeit der Botanical-Rezeptur ohne Verdünnung durch Tonic besonders entfalten kann.
Der Bodensee Dry Gin richtet sich an Genießer, die einen unaufgeregten, gut in Longdrinks integrierbaren Gin mit regionalem Bezug zum Bodenseeraum suchen, ohne dabei auf ausgeprägte Extremnoten zu setzen. Im Vergleich zu anderen deutschen Craft-Gins wie dem Siegfried Rheinland Dry Gin, der auf eine klarer erkennbare Lindenblüten- und Zitrusnote setzt, positioniert sich der Bodensee Dry Gin mit seiner sehr hohen Botanical-Zahl bewusst als Gin des harmonischen Gesamteindrucks statt der einzelnen markanten Zutat. Wer die Region und ihre Genusskultur kennenlernen möchte, findet im Bodensee Dry Gin einen soliden, in einem traditionsreichen Familienbetrieb entstandenen Vertreter der süddeutschen Gin-Szene – auch wenn er im direkten Vergleich zu preisgekrönten Bodensee-Nachbarn wie dem Steinhauser SeeGin weniger internationale Aufmerksamkeit erhalten hat. Preislich liegt er im für deutsche Craft-Gins üblichen Mittelfeld und bietet damit ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis für seinen handwerklichen Kleinserien-Charakter.
Einordnung & Alternativen
- Calluna Lüneburger Heide Gin – deutscher Regional-Gin mit deutlich klarer erkennbarer Heidekraut-Note statt eines breiten, verwobenen Aromenbilds.
- Liebl Bavarian Dry Gin – bayerischer Vertreter mit schlankerer Botanicals-Liste und entsprechend prägnanterem Geschmacksprofil.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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