Herstellung des No. 3 London Dry Gin:
Der No. 3 London Dry Gin wird vom traditionsreichen Weinhändler Berry Bros. & Rudd herausgegeben, der 1698 in der No. 3 St James's Street in London gegründet wurde und bis heute als Großbritanniens ältestes noch aktives Wein- und Spirituosenhaus gilt — daher auch der schlichte, auf die Hausnummer verweisende Name. Entwickelt wurde die Rezeptur in enger Zusammenarbeit mit Dr. David Clutton, der als einziger Mensch einen Doktortitel in Gin-Wissenschaften hält, sowie mit renommierten Bartendern; die Feinabstimmung nahm rund zwei Jahre in Anspruch, bevor der Gin auf den Markt kam. Gebrannt wird der No. 3 nicht in London selbst, sondern in den Niederlanden bei einer seit über 300 Jahren familiengeführten Destillerie, die eine mehr als hundert Jahre alte Kupferbrennblase einsetzt — "London Dry Gin" ist dabei, wie bei vielen Gins dieses Namens, eine Stilbezeichnung für das Herstellungsverfahren und keine geografische Herkunftsangabe.
Das Rezept setzt bewusst auf Reduktion: Statt der bei modernen Gins oft üblichen 15 oder mehr Botanicals kommen beim No. 3 lediglich sechs sorgfältig ausgewählte Zutaten zum Einsatz — Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel, Orangenschale, Grapefruitschale und Kardamom —, was für ein außergewöhnlich klares, präzises Geschmacksprofil sorgt. Diese Reduktion auf das Wesentliche hat dem No. 3 seit seiner Einführung bereits vier Mal den Titel "World's Best Gin" bei internationalen Spirituosenwettbewerben eingebracht.
Verkostung des No. 3 London Dry Gin:
In der Nase zeigt sich der No. 3 kraftvoll wacholderbetont, mit klarer Zitrusfrische durch Orangen- und Grapefruitschale sowie einer warmen Kardamomwürze. Am Gaumen ist er intensiv und präzise: Wacholder und Koriander bilden das kraftvolle Zentrum, während die Zitrusnoten für Frische sorgen. Der Abgang ist lang, würzig-frisch und bemerkenswert klar strukturiert — dank der reduzierten Botanical-Zahl treten alle Aromen einzeln hervor, statt sich zu einem diffusen Gesamtbild zu vermischen.
Steckbrief No. 3 London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel, Orangenschale, Grapefruitschale, Kardamom
Hersteller: Berry Bros. & Rudd Ltd., destilliert in den Niederlanden
Botanicals des No. 3 London Dry Gin im Detail
Mit nur sechs Zutaten gehört der No. 3 zu den am striktesten reduzierten Gins am Markt. Wacholder und Koriandersamen bilden das klassische Fundament, Angelikawurzel sorgt für die erdige Bindung zwischen den Aromen. Orangen- und Grapefruitschale liefern die Zitrusfrische, während Kardamom als einzige echte Würznote für Tiefe sorgt. Weil keine weiteren Botanicals die Aromen verwässern oder überlagern, lässt sich beim No. 3 jede einzelne Zutat einzeln herausschmecken — ein Effekt, den viele Bartender schätzen, weil er den Gin in Cocktails besonders vorhersehbar und gut dosierbar macht.
Verwendung des No. 3 London Dry Gin
- Gin & Tonic: Dank seiner Kraft und Klarheit verträgt der No. 3 auch ein etwas kräftigeres Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, garniert mit einer Grapefruitzeste, die die Zitrusnoten spiegelt.
- Martini: Der No. 3 gilt unter Bartendern als einer der besten Martini-Gins überhaupt — seine Klarheit und Kraft kommen in der reduzierten Cocktail-Form besonders gut zur Geltung.
- Negroni: Auch in einem klassischen Negroni behauptet sich der No. 3 gegen Campari und Wermut, weil seine sechs Botanicals auch bei starker Verdünnung mit anderen kräftigen Zutaten klar erkennbar bleiben.
Damit richtet sich der No. 3 London Dry Gin vor allem an Kenner und an alle, die einen kraftvollen, aber überschaubaren, präzise komponierten Gin abseits botanisch überladener Craft-Gins suchen. Im Vergleich zu wacholderstarken, aber deutlich komplexeren Gins wie dem Portobello Road No. 171 London Dry Gin zeigt der No. 3, wie viel Wirkung sich bereits mit sechs Botanicals erzielen lässt, wenn jede einzelne Zutat mit Bedacht gewählt ist.
Bemerkenswert ist auch, dass Berry Bros. & Rudd selbst keine eigene Brennerei betreibt: Als reiner Wein- und Spirituosenhändler beauftragte das Haus für die Umsetzung seiner Gin-Idee gezielt eine erfahrene, aber wenig bekannte niederländische Traditionsdestillerie – ein Modell, das in der Gin-Branche als "brand owner ohne eigene Brennerei" inzwischen verbreitet ist, beim No. 3 aber besonders konsequent umgesetzt wurde, weil die Rezeptidee stets im Vordergrund stand und nicht die Vermarktung einer bestimmten Produktionsstätte. Für Berry Bros. & Rudd, die mit Wein und Spirituosen seit über 300 Jahren handeln, war der No. 3 zugleich ein Signal: Auch ein traditionelles Handelshaus kann mit einem durchdachten, reduzierten Konzept in einem von Craft-Gins überfüllten Markt bestehen, ohne selbst als Destillerie aufzutreten. Preislich bewegt sich der No. 3 im gehobenen Segment klassischer London Dry Gins, was angesichts der sorgfältig reduzierten Botanical-Formel und der mehrfachen Auszeichnung als "World's Best Gin" nachvollziehbar erscheint.
Einordnung & Alternativen
- Sipsmith London Dry Gin – ebenfalls ein klassischer Londoner Craft-Gin, arbeitet aber mit mehr Botanicals und liegt preislich etwas niedriger.
- Tanqueray No. Ten Gin – ähnlich als Premium-Martini-Gin positioniert, setzt aber auf frische ganze Zitrusfrüchte statt auf eine streng reduzierte Formel.
- City of London Gin – moderner, zitrusbetonter London Dry Gin zu einem etwas zugänglicheren Preis.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Opihr Oriental Spiced London Dry Gin
Warm-würzig mit Kubeben- und Tellicherry-Pfeffer, Kardamom und Kreuzkümmel — Wacholder bleibt bewusst im Hintergrund.

Portobello Road No. 171 London Dry Gin
Würzig-vollmundig mit Cassiarinde und Muskatnuss — ein traditioneller London Dry mit weihnachtlicher Wärme.

Sipsmith London Dry Gin
Kräftig wacholderbetont mit warmer Zimt- und Cassia-Würze sowie nussiger Mandelnote — reduziert auf zwölf klassische Botanicals.

Steinhauser SeeGin
Nur drei Botanicals — Wacholder, Melisse, Zitronengras — für eine klar konturierte, prämierte Zitrusfrische.
Dazu passendes Tonic Water

Thomas Henry Coffee Tonic
Kaltextrahierter Arabica-Kaffee trifft auf Chinin-Bitterkeit und Karamellsüße — ungewöhnlich, aber ausbalanciert.

Thomas Henry Elderflower Tonic Water
Milde Süße und feine Zitrusnoten mit einer dezenten Holunderblüte im Hintergrund der Bitternote.

Thomas Henry Tonic Water
Trocken-bitterer Berliner Klassiker, zurückhaltend und mit feiner Zitrusnote — für komplexe Gins gemacht.
Passende Cocktails
Passende Gin & Tonic Kombinationen

No. 3 London Dry Gin & Fever-Tree Premium Indian Tonic Water (5/5)
Bitterorange greift die vorhandene Orangen- und Grapefruitschale auf und spiegelt die Klarheit der radikal reduzierten Sechs-Botanicals-Rezeptur.

No. 3 London Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (5/5)
Kraftvolles Wacholder-Koriander-Fundament hält der ausgeprägten Chinin-Bitterkeit stand – Stärke statt Zurückhaltung trägt diese Paarung.

Klassische Gins
London Dry Gin ist ein rechtlich geschütztes Verfahren, nicht die Herkunft — streng wacholderbetont, der Maßstab für alle New-Western-Gins.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Wie wird Gin hergestellt? Vom Neutralalkohol zur Flasche
Keine Fassreifung nötig — Charakter entsteht allein durch Botanicals und Destillation, gestaffelt in drei EU-Rechtskategorien mit steigenden Anforderungen.

