Herstellung des Portobello Road No. 171 London Dry Gin:
Die Portobello Road Distillery wurde Ende 2011 von Ged Feltham, Jake Burger und Paul Lane gegründet und liegt mitten im Londoner Stadtteil Notting Hill, über einer traditionsreichen Kneipe aus dem 19. Jahrhundert an der Portobello Road – nach Angaben der Gründer die erste Gin-Destillerie, die seit über 200 Jahren wieder im Zentrum Londons eröffnete. Im selben Gebäude betreiben die drei Gründer zudem das "Ginstitute", eine der bekanntesten Gin-Erlebniswelten Londons, in der Besucher an der hauseigenen kleinen Kupferbrennblase "Copernicus II" ihren eigenen Gin destillieren können. Der Name No. 171 verweist auf die Hausnummer dieses Gebäudes an der Portobello Road, direkt im Herzen des als Trödel- und Antiquitätenviertel bekannten Notting Hill. Aus der Arbeit am Ginstitute entstand ursprünglich der Wunsch nach einem eigenen "Hausgin" – woraus sich schließlich der eigenständige, kommerziell vertriebene No. 171 London Dry Gin entwickelte.
Gebrannt wird in kleinen Batches in einer klassischen Kupferbrennblase, mit einem bewusst kräftigen, klassisch-würzigen Botanical-Profil, das sich an den robusten, wacholderbetonten Gin-Stilen des viktorianischen Londons orientiert – einer Zeit, in der Notting Hill selbst noch keine feine Wohngegend, sondern ein von Handwerk und Gewerbe geprägtes Arbeiterviertel war. Die Straße Portobello Road, die dem Gin ihren Namen gibt, ist heute vor allem für ihren berühmten Antiquitäten- und Trödelmarkt bekannt – ein Umfeld aus Handel, Geschichte und Wiederentdeckung, das die Gründer bewusst auch für ihre Interpretation eines traditionellen Londoner Gins aufgreifen wollten.
Verkostung des Portobello Road No. 171 London Dry Gin:
In der Nase zeigt sich kräftiger Wacholder, begleitet von warmer Muskatnuss und einer feinen Zitrusnote. Am Gaumen ist der No. 171 würzig und vollmundig, mit Koriander und Cassiarinde im Zentrum sowie einer angenehmen Zitrusfrische. Der Abgang ist mittellang, würzig und trocken, mit einem letzten Hauch von Muskatnuss und Iriswurzel.
Steckbrief Portobello Road No. 171 London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 42 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Iriswurzel, Süßholz, Zitronenschale, Orangenschale, Cassiarinde, Muskatnuss
Hersteller: Portobello Road Distillery, Notting Hill, London
Botanicals des Portobello Road No. 171 im Detail
Mit neun Botanicals bewegt sich der No. 171 im klassischen mittleren Bereich zwischen minimalistischen und stark überladenen Rezepturen. Wacholder und Koriander bilden das traditionelle Fundament, Angelika- und Iriswurzel sorgen für die erdig-pudrige Bindung. Die namensgebend würzige Cassiarinde – eine kräftigere, süßlichere Verwandte des Zimts – zusammen mit Muskatnuss verleiht dem Gin seine wärmende, weihnachtlich anmutende Würze, während Zitronen- und Orangenschale für die nötige Frische sorgen, damit das Profil nicht zu schwer wirkt. Diese bewusst klassische, wenig experimentelle Auswahl positioniert den No. 171 als traditionsbewussten Londoner Gin, der sich stärker an historischen Rezepturen orientiert als an modernen Craft-Gin-Trends mit exotischen Zutaten.
Verwendung des Portobello Road No. 171 London Dry Gin
- Gin & Tonic: Ein klassischer, würziger London Dry — passt hervorragend zu einem herben Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water und einer Zitronenscheibe.
- Negroni: Das kräftige, würzige Profil behauptet sich gut gegen Campari und Wermut und macht den No. 171 zu einer beliebten Wahl unter Londoner Bartendern für gerührte Klassiker.
- Martini: Auch pur im Martini zeigt der No. 171 seine würzige, an Cassia und Muskat erinnernde Seite und liefert damit eine wärmere, herbstlichere Alternative zu zitrusbetonteren Martini-Gins.
Der No. 171 richtet sich an alle, die einen robusten, traditionellen London Dry Gin mit spürbarer Würze suchen, ohne auf ausgefallene, moderne Botanicals zurückzugreifen. Im Vergleich zum deutlich reduzierteren No. 3 London Dry Gin zeigt der No. 171, wie ein etwas umfangreicheres, würzigeres Botanical-Set einem London Dry Gin mehr Tiefe und weihnachtliche Wärme verleihen kann, ohne die klare, wacholderbetonte Grundstruktur des Stils zu verlassen.
Besonders bemerkenswert ist die Doppelrolle der Destillerie als Produktionsstätte und Erlebnisort: Während viele Gin-Marken ihre Herstellung bewusst hinter verschlossenen Türen halten, öffnet Portobello Road mit dem Ginstitute genau diesen Prozess für die Öffentlichkeit. Besucher lernen dort nicht nur die Geschichte des Wacholderbrands kennen, sondern destillieren unter Anleitung ihren eigenen, individuellen Gin an der kleinen Kupferbrennblase Copernicus II – ein Konzept, das in London mittlerweile als Vorbild für zahlreiche ähnliche Gin-Erlebnisangebote diente. Der No. 171 selbst profitiert von dieser Nähe zum Publikum: Rezepturänderungen und Botanical-Feinabstimmungen fließen unmittelbar aus dem Feedback der Ginstitute-Besucher und der angeschlossenen Bar in die kommerzielle Abfüllung ein, was dem Gin über die Jahre zu kontinuierlicher, aber behutsamer Weiterentwicklung verholfen hat, ohne den ursprünglichen, robust-würzigen Charakter zu verändern. Preislich bewegt sich der No. 171 im mittleren Segment und bietet dafür ein spürbar würzigeres Profil als viele gleich positionierte London Dry Gins.
Einordnung & Alternativen
- Beefeater London Dry Gin – ähnlich klassisch und preislich etwas günstiger, dafür weniger würzig und wärmend.
- Sipsmith London Dry Gin – ebenfalls aus einer kleinen Londoner Craft-Destillerie, aber zitrusbetonter statt gewürzbetont.
- Boodles London Dry Gin – klassisch-nüchterner im Profil, ohne die weihnachtliche Cassia-Muskat-Würze des No. 171.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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