Herstellung des Sacred Gin:
Sacred Gin entstand aus einem Karrierewechsel: Ian Hart, zuvor Investmentbanker, verlor 2008 im Zuge der Finanzkrise seinen Job und begann daraufhin, in der eigenen Küche seines Wohnhauses in Highgate, Nordlondon, mit der Gin-Herstellung zu experimentieren. Nach eigenen Angaben über zwanzig Testansätzen destillierte er am 22. Mai 2009 die erste Charge des heutigen Sacred Gin – zusammen mit seiner Partnerin Hilary Whitney gründete er so die Mikrodestillerie Sacred Spirits, die bis heute im Rückraum seines Wohnhauses sowie in einem eigens errichteten Nebengebäude im Garten betrieben wird. Damit ist Sacred eine der am längsten durchgehend in London ansässigen Gin-Destillerien der modernen Craft-Bewegung.
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Marke liegt im Herstellungsverfahren: Statt wie klassische London-Dry-Gins alle Botanicals gemeinsam in einer Kupferbrennblase zu destillieren, setzt Sacred auf Vakuumdestillation in Rotationsverdampfern, bei der jedes der zwölf Botanicals einzeln bei niedrigeren Temperaturen destilliert und erst danach zum fertigen Gin verschnitten wird. Diese schonendere Methode soll die flüchtigen Aromastoffe empfindlicherer Zutaten – etwa Zitrusschalen oder Weihrauch – besser bewahren, als es eine gemeinsame Destillation bei höherer Temperatur könnte. Die Rezeptur orientiert sich an einer historischen holländischen Gin-Formel aus dem 17. Jahrhundert und enthält neben Wacholder, Koriander, Kardamom und Muskatnuss auch Weihrauch (Boswellia sacra) – jenes Harz, dessen lateinischer Artname der Marke ihren Namen gab. Abgefüllt wird der Sacred Gin mit 40 % vol., in vergleichsweise kleinen Chargen von wenigen hundert Flaschen pro Destillationslauf.
Verkostung des Sacred Gin:
In der Nase zeigt sich der Sacred Gin frisch und ausbalanciert: klare Zitrusnoten von Orange, Zitrone und Limette treffen auf warmen Kardamom und einen deutlich wahrnehmbaren, aber nicht aufdringlichen Wacholder. Am Gaumen entfaltet sich eine bemerkenswert cremige Textur, in der sich Zitrus und Kardamom die Waage halten, während im Hintergrund die harzig-würzige Note des Weihrauchs für zusätzliche Tiefe sorgt – eine Aromafacette, die bei kaum einem anderen Gin in dieser Form vorkommt. Koriander trägt zur floral-würzigen Komplexität bei, ohne den Gesamteindruck zu überladen. Der Abgang ist mittellang, mild würzig und trägt die Weihrauch- und Kardamomnoten noch einige Zeit weiter, ohne in Schärfe umzuschlagen. Insgesamt wirkt der Sacred Gin ausgewogener und weicher als viele klassische, stärker wacholderbetonte London-Dry-Vertreter, was ihm auch in Cocktails eine hohe Vielseitigkeit verleiht.
Steckbrief Sacred Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Kardamom, Muskatnuss, Weihrauch (Boswellia sacra), Angelikawurzel, Orangen-, Zitronen- und Limettenschale (u. a., insgesamt 12 Botanicals)
Hersteller: Sacred Spirits, Highgate, London
Die Vakuumdestillation: Warum jedes Botanical einzeln gebrannt wird
Anders als bei einem klassischen One-Shot-Verfahren, bei dem sämtliche Botanicals gemeinsam mit dem Alkohol in einer einzigen Brennblase erhitzt werden, zerlegt Sacred den Prozess in zwölf Einzeldestillationen. Jedes Botanical wird zunächst vier bis sechs Wochen im englischen Weizenspirit mazeriert, bevor es einzeln im Vakuum bei deutlich reduziertem Druck und niedrigerer Temperatur destilliert wird. Erst danach mischt Ian Hart die einzelnen Destillate von Hand zum fertigen Gin zusammen. Der Vorteil dieser aufwendigeren Methode liegt darin, dass hitzeempfindliche Aromastoffe – etwa die feinen ätherischen Öle von Zitrusschalen oder die harzigen Verbindungen im Weihrauch – nicht durch die bei traditioneller Destillation üblichen höheren Temperaturen verändert oder zerstört werden. Sacred gilt damit als eine der wenigen Destillerien Londons, die diese Vakuumtechnik konsequent für ihre gesamte Gin-Produktion einsetzt, und ermöglicht es der kleinen Manufaktur zugleich, mit vergleichsweise einfachem Equipment in einem Wohnhaus zu produzieren, statt eine klassische Kupferbrennerei zu benötigen.
Verwendung des Sacred Gin
- Gin & Tonic: Die feine Balance aus Zitrus, Kardamom und Weihrauch kommt mit einem zurückhaltenden, nicht zu bitteren Tonic wie Fever-Tree Mediterranean Tonic Water besonders gut zur Geltung, da dessen milde Süße die weichen Gewürznoten des Gins nicht überdeckt. Eine Kardamomkapsel als Garnitur unterstreicht das Aromenspiel zusätzlich.
- Martini: Wegen seiner ausgewogenen, cremigen Textur eignet sich der Sacred Gin auch für einen milderen, weniger scharfen Martini, in dem die Gewürznoten des Gins besser zur Geltung kommen als bei robusteren, stark wacholderbetonten Gins.
Sacred Gin richtet sich an alle, die neugierig auf ein technisch ungewöhnliches, aber geschmacklich fein austariertes Produkt sind – ein Gin, der zeigt, dass sich handwerkliche Craft-Destillation auch fernab klassischer Kupferbrennblasen verwirklichen lässt. Wer detaillierte Hintergründe zur passenden Tonic-Auswahl für ausbalancierte, weniger wacholderdominante Gins sucht, findet ergänzende Einordnung im Wissensartikel „Welches Tonic Water passt zu welchem Gin?". Im Vergleich zu kräftigeren Londoner Craft-Gins wie dem Sipsmith London Dry Gin zeigt sich Sacred spürbar sanfter und komplexer in der Gewürzführung, während Sipsmith konsequent auf klassische Wacholderdominanz setzt. Damit besetzt Sacred eine eigene Nische zwischen traditionellem London Dry und einem individuelleren, aromatisch vertieften Stil.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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