Herstellung des Booth's London Dry Gin:
Booth's zählt zu den ältesten London Dry Gins überhaupt: Die Ursprünge der Marke reichen bis ins Jahr 1740 zurück, als die Familie Booth in der Red Lion Distillery in Clerkenwell, London, mit der Gin-Produktion begann. Im 19. Jahrhundert wuchs das Unternehmen zum größten Gin-Hersteller Londons heran und prägte damit maßgeblich die Standards der Branche. Über viele Jahrzehnte gehörte Booth's zum Portfolio von Diageo, das die Marke im November 2018 zusammen mit 18 weiteren, eher zweitrangigen Spirituosenmarken – darunter Seagram's VO, Myers's und Popov – für rund 550 Millionen US-Dollar an die amerikanische Sazerac Company verkaufte. Sazerac führt die Produktion heute in Plainfield, Illinois, fort. Trotz des Eigentümerwechsels hält man an traditionellen Destillationsmethoden und der klassischen Rezeptur fest. Das Ergebnis ist ein unkomplizierter, wacholderbetonter London Dry Gin, der bewusst nah an den historischen Stil des 18. und 19. Jahrhunderts anknüpft und preislich im eher zugänglichen Segment positioniert ist.
Dass eine Marke mit derart langer, ursprünglich rein Londoner Geschichte heute im US-Bundesstaat Illinois statt in England produziert wird, ist im Gin-Segment kein Einzelfall: Viele traditionsreiche, aber kommerziell nicht mehr auf Premiumniveau positionierte Marken wandern im Zuge solcher Portfoliobereinigungen großer Konzerne zu spezialisierten Volumenherstellern wie Sazerac, die auf effiziente Massenproduktion etablierter Rezepturen setzen, statt auf Herkunfts-Storytelling.
Verkostung des Booth's London Dry Gin:
In der Nase präsentiert sich Booth's klassisch und geradlinig: kräftiger Wacholder steht im Vordergrund, begleitet von feinen Zitrusnoten und einem Hauch Lakritz im Hintergrund. Am Gaumen zeigt sich der Gin sauber und unverspielt – harzig-krautiger Wacholder dominiert, unterlegt von einer leicht wachsartigen, kräuterigen Textur, die für einen Gin dieser Preisklasse angenehm rund wirkt. Im Abgang wird es trocken: Lakritzwurzel, Angelikawurzel und trockener Koriander sorgen für einen langen, unaufgeregten Ausklang, ohne dass unangenehme Schärfe aufkommt. Insgesamt ein sehr klassischer, traditionsbewusster London Dry Gin ohne botanische Überraschungen – solide, verlässlich und typisch für den Stil, der Gin-Klassikern wie Gordon's nahesteht. Wer bereits andere Standard-London-Dry-Gins kennt, wird sich beim Booth's schnell zurechtfinden, da er bewusst keine ungewöhnlichen Aromenwege einschlägt, sondern die etablierte Wacholder-Zitrus-Würze-Achse in solider, unaufgeregter Form bedient.
Steckbrief Booth's London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 45 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Lakritzwurzel, Zitronenschale, Bergamotte (u. a.)
Hersteller: Sazerac Company, Plainfield, Illinois, USA (Ursprung: London, England)
Botanicals des Booth's London Dry Gin im Detail
Die Rezeptur von Booth's folgt dem klassischen London-Dry-Grundmuster, wie es sich im 18. und 19. Jahrhundert in London etablierte: Wacholder und Koriander bilden das Fundament, Angelikawurzel sorgt für die erdig-würzige Struktur, während Lakritzwurzel eine dezente, nie aufdringliche Süße beisteuert. Zitronenschale und Bergamotte ergänzen das Profil um eine helle, aber zurückhaltende Zitrusnote, die den kräftigen Wacholder nicht in den Hintergrund drängt. Anders als viele moderne New-Western-Gins verzichtet Booth's bewusst auf ungewöhnliche oder exotische Zusatz-Botanicals und bleibt damit einem geradlinigen, traditionellen Rezepturprinzip treu, das seit Jahrzehnten kaum verändert wurde – ein Grund, warum die Marke bei Kennern klassischer Gin-Stile bis heute geschätzt wird, obwohl sie preislich im unteren bis mittleren Segment positioniert ist.
Verwendung des Booth's London Dry Gin
- Gin & Tonic: Der klar wacholderbetonte, klassische Charakter von Booth's harmoniert am besten mit einem ebenso traditionellen Tonic, das die Aromen nicht überdeckt. Gut geeignet sind Schweppes Indian Tonic Water oder Thomas Henry Tonic Water, die dem Wacholder und den dezenten Zitrusnoten Raum lassen, ohne sie zu überlagern. Eine Zitronenzeste rundet den Drink stilecht ab.
- Klassischer Martini: Dank seines trockenen, geradlinigen Profils eignet sich Booth's hervorragend als Basis für einen klassisch gerührten Martini. Die dominante Wacholdernote und die dezente Würze harmonieren gut mit trockenem Wermut und ergeben einen unaufdringlichen, traditionellen Cocktail-Klassiker.
Der Booth's London Dry Gin richtet sich vor allem an Gin-Trinker, die einen unkomplizierten, preislich zugänglichen und dabei geschmacklich klassischen London Dry Gin suchen, ohne Anspruch auf botanische Innovation. Im Vergleich zu ähnlich positionierten Marken wie Gordon's London Dry Gin oder Gilbey's London Dry Gin bewegt sich Booth's im selben preislichen und geschmacklichen Segment: solide, wacholderbetonte Gins für den täglichen Gin & Tonic, ohne den Anspruch der teureren Premium-Marken wie Beefeater London Dry Gin. Wer die lange Geschichte der Marke zu schätzen weiß, findet in Booth's einen der ältesten noch erhältlichen London-Dry-Gins überhaupt – auch wenn von der einstigen Rolle als größter Gin-Hersteller Londons heute nur noch der Name geblieben ist. Gerade im Einstiegssegment überzeugt Booth's durch ein für den Preis überdurchschnittlich sauberes, klassisches Profil.
Einordnung & Alternativen
- Seagram's Extra Dry Gin – ähnlich preisgünstiger Alltagsgin, etwas trockener und weniger lakritzbetont im Abgang.
- Finsbury London Dry Gin – vergleichbares Einstiegssegment mit etwas spürbarerer Zitrusfrische als bei Booth's.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Brick Gin
Nur drei Botanicals — Wacholder, Zitrone und Kubebenpfeffer — ergeben ein klares, unverwechselbar reduziertes Geschmacksbild ohne Überladung.

Broker's London Dry Gin
Ausbalanciert zwischen Wacholder, Zitrus und dezenter Würze, nach einer rund 200 Jahre alten Rezeptur — ganz ohne modische Umwege.

Bulldog London Dry Gin
Wacholderbetont mit exotischer Longan-Süße, Mandel und Lotusblatt — Litschi-artige Frucht statt reiner Kräuterschärfe.

Burleighs London Dry Gin
Erdig-krautige Wildkräuter aus dem Charnwood Forest — Löwenzahn und Klette geben diesem London Dry eine waldige Tiefe.
Dazu passendes Tonic Water

Goldberg & Sons Indian Hibiscus Tonic
Blumig-herbe Hibiskusblüte, die an Hagebutten- oder Waldbeertee erinnert, auf trocken-herber Goldberg-Basis.

Goldberg & Sons Japanese Yuzu Tonic
Exotische Yuzu-Note zwischen Mandarine und Grapefruit — für Goldberg-Verhältnisse ungewöhnlich komplex.

Goldberg & Sons Mediterranean Tonic
Thymian und Rosmarin über dezenter Orangenfrische — trocken, herzhaft-kräuterig statt fruchtsüß.
Passende Gin & Tonic Kombinationen

Klassische Gins
London Dry Gin ist ein rechtlich geschütztes Verfahren, nicht die Herkunft — streng wacholderbetont, der Maßstab für alle New-Western-Gins.

Gin Tonic Rezept & Mischverhältnis: So gelingt der perfekte Drink
Kein starres Verhältnis, sondern ein Korridor zwischen 1:2 und 1:3 — Eis, Reihenfolge und Garnitur entscheiden mit.

Welches Tonic Water passt zu welchem Gin?
Je zurückhaltender der Gin, desto zurückhaltender sollte das Tonic sein — die Grundregel richtet sich nach dem dominanten Botanical, nicht der Marke.
Booth's London Dry Gin kaufen:

