Herstellung des Four Pillars Rare Dry Gin:
Four Pillars wurde 2013 von den drei Freunden Stuart Gregor, Cameron Mackenzie und Matt Jones gegründet, nachdem eine Crowdfunding-Kampagne den Aufbau der Destillerie im australischen Healesville im Yarra Valley bei Melbourne ermöglicht hatte. Mackenzie und Gregor kannten sich bereits seit rund zwanzig Jahren aus der Weinbranche, während Jones mit seinem Marketing-Hintergrund für den Markenaufbau verantwortlich zeichnete – eine Kombination, die Four Pillars rasch zu einem der Aushängeschilder der jungen australischen Gin-Bewegung machte. Namensgebend sind die "vier Säulen", auf denen die Destillerie nach eigenem Verständnis ruht: die Brennblase, das Wasser, die Botanicals und das handwerkliche Engagement des Teams – ein Konzept, das sich sogar in der Flaschenform wiederfindet, die vier markante Erhebungen trägt. Gebrannt wird in einer traditionellen deutschen Kupferbrennblase, die das Team liebevoll "Wilma" getauft hat.
Die zentrale Besonderheit des Rare Dry Gin ist die Verwendung ganzer, unbehandelter Orangen, die zusammen mit klassischen Gin-Botanicals und typisch australischen Zutaten wie Tasmanischem Bergpfeffer destilliert werden, statt lediglich Schale oder Saft einzusetzen. Dieses Verfahren, das Four Pillars von Beginn an als Markenzeichen etablierte, verleiht dem Gin eine warme, marmeladige Fruchttiefe, die über reine Zitrusfrische hinausgeht. Für seine Qualität wurde Four Pillars beim renommierten Wettbewerb der International Wine and Spirits Competition (IWSC) bereits dreimal – 2019, 2020 und 2023 – als weltweit bester Gin-Produzent ausgezeichnet, als erste Destillerie überhaupt, der dieser Titel dreifach zuerkannt wurde.
Verkostung des Four Pillars Rare Dry Gin:
In der Nase zeigt sich der Four Pillars Rare Dry Gin saftig-orangig, mit deutlicher Zitrusfülle und einer würzig-pfeffrigen Tiefe im Hintergrund, die schon andeutet, dass hier mehr als klassische Zitrusschale im Spiel ist. Am Gaumen ist er kräftig und rund: Wacholder und Kardamom bilden das Zentrum, während die ganzen destillierten Orangen für eine warme, marmeladige Süße sorgen, die den Gin von vielen schlankeren europäischen Stilen unterscheidet. Der Tasmanische Bergpfeffer steuert eine feine, wärmende Schärfe bei, die sich erst nach und nach entfaltet und dem Gin eine unverwechselbar australische Handschrift verleiht. Angelikawurzel und Koriander sorgen im Hintergrund für erdige Struktur, ohne die fruchtig-würzige Fülle zu überdecken. Der Abgang ist lang, würzig-fruchtig und bleibt noch lange nach dem letzten Schluck präsent – ein Gin, der Kraft und Komplexität in gleichem Maße bietet.
Steckbrief Four Pillars Rare Dry Gin:
Alkoholgehalt: 41,8 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, ganze Orangen, Kardamom, Koriander, Angelikawurzel, Tasmanischer Bergpfeffer, Sternanis, Zimt
Hersteller: Four Pillars Distillery Pty Ltd, Healesville, Yarra Valley, Australien
Herstellung im Detail: Ganze Orangen statt Zitrusschale
Die meisten Gin-Destillerien setzen bei Zitrusaromen auf getrocknete oder frische Schale, da das im Fruchtfleisch enthaltene Wasser und Pektin den Destillationsprozess erschweren kann. Four Pillars ging hier von Anfang an einen anderen Weg und destilliert für den Rare Dry Gin ganze, unbehandelte Orangen mitsamt Fruchtfleisch und Saft. Das Ergebnis ist ein deutlich vollere, marmeladigere Orangennote, als sie reine Schalendestillate liefern können – ein Verfahren, das mittlerweile so eng mit der Marke verknüpft ist, dass es in nahezu jeder Beschreibung des Hauses auftaucht. Ergänzt wird diese Fruchtfülle durch den Tasmanischen Bergpfeffer, eine in Australien beheimatete Gewürzpflanze mit einer charakteristischen, langsam aufbauenden Schärfe, die europäischen Gin-Trinkern meist unbekannt ist. Zusammen mit klassischen Botanicals wie Wacholder, Kardamom und Angelikawurzel entsteht so ein Gin, der bewusst zwischen europäischer Handwerkstradition – verkörpert durch die deutsche Kupferbrennblase "Wilma" – und unverkennbar australischem Terroir vermittelt.
Verwendung des Four Pillars Rare Dry Gin
- Gin & Tonic: Der Four Pillars harmoniert hervorragend mit einem klassischen Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, garniert mit einer Orangenscheibe statt der klassischen Zitrone oder Limette, um die marmeladige Orangennote des Gins zu unterstreichen.
- Negroni: Dank seiner würzigen, orangigen Fülle eignet sich der Four Pillars auch ausgezeichnet als kräftige Basis für einen Negroni, in dem er sich souverän gegen Campari und Wermut behauptet.
Der Four Pillars Rare Dry Gin richtet sich an alle, die einen kräftigen, fruchtbetonten Gin abseits klassisch-trockener London-Dry-Stile suchen. Im Vergleich zu europäischen New-Western-Style-Gins, die ihre Frucht meist über Beeren oder Blüten einbringen, setzt Four Pillars konsequent auf ganze Zitrusfrüchte und australische Gewürze – ein Ansatz, der den Gin zu einem der eigenständigsten Vertreter der noch jungen australischen Gin-Szene macht und ihn auch international zu einem der meistausgezeichneten Gins seiner Generation werden ließ.
Mittlerweile ist Four Pillars über die Ursprungsdestillerie in Healesville hinausgewachsen: 2020 eröffnete das Team zusätzlich das "Four Pillars Laboratory" in Sydneys Stadtteil Surry Hills, wo kleinere Experimentalabfüllungen entstehen, während der Rare Dry Gin weiterhin das stilprägende Kernprodukt der Marke bleibt. Wer den Vergleich zu anderen Craft-Gins der internationalen New-Western-Bewegung sucht, findet mit dem botanisch-puristischeren St. George Botanivore Gin aus Kalifornien einen interessanten Gegenpol: Während Four Pillars auf Frucht und Würze setzt, stellt St. George die schiere Botanical-Vielfalt in den Vordergrund. Angesichts der dreifachen Auszeichnung als weltbester Gin-Produzent rechtfertigt sich der gehobene Preis durchaus.
Einordnung & Alternativen
- Manly Spirits Co. Australian Dry Gin – ebenfalls australisch, setzt aber auf Lemon Myrtle und native Botanicals statt auf ganze Orangen.
- Brockmans Premium Gin – ähnlich fruchtbetont, allerdings über Blaubeeren und Brombeeren statt Zitrus geprägt.
- Jaisalmer Indian Craft Gin – stellt die würzige Seite in den Vordergrund, mit indischen Gewürzen statt Tasmanischem Bergpfeffer.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Je zurückhaltender der Gin, desto zurückhaltender sollte das Tonic sein — die Grundregel richtet sich nach dem dominanten Botanical, nicht der Marke.
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