Herstellung des Jaisalmer Indian Craft Gin:
Jaisalmer gilt als Indiens erster Craft Gin und wurde vom indischen Spirituosenkonzern Radico Khaitan entwickelt, der international vor allem durch seine Rampur-Single-Malt-Whiskys bekannt ist. Unter der Leitung von Master Distiller Anup Barik entstand die Rezeptur in der konzerneigenen Rampur-Destillerie am Fuß des Himalaya, wo der Gin in traditionellen Kupferbrennblasen gebrannt wird. Der Markteintritt erfolgte im November 2018 zunächst in Großbritannien, passend zum Diwali-Fest, über den spezialisierten Spirituosenhändler The Whisky Exchange, bevor die Marke rasch in weitere Märkte expandierte – ein bewusst gewählter Zeitpunkt, um vom damaligen Boom des britischen Gin-Marktes zu profitieren, der zu jener Zeit ein jährliches Umsatzvolumen von umgerechnet weit über zwei Milliarden Pfund erreicht hatte.
Die Rezeptur umfasst elf Botanicals, von denen sieben gezielt aus verschiedenen Regionen Indiens stammen: Koriander, Vetiver (eine aromatische Graswurzel), Orangen- und Zitronenschale, Kubebenpfefferbeeren, Zitronengras sowie Blätter des Darjeeling-Grüntees. Ergänzt wird diese indische Botanical-Auswahl um vier klassische, importierte Zutaten – Wacholder, Angelikawurzel, Süßholz und Kümmel –, die dem Gin sein strukturelles Rückgrat geben. Mit 43 % vol. liegt Jaisalmer über der für Gin üblichen Standardstärke von 40 %, was der Rezeptur zusätzliche Textur und Intensität verleiht. Positioniert wird die Marke bewusst um das Erbe der Maharadschas und Maharanis der imperialen Ära, sowohl in der Namensgebung – Jaisalmer ist eine historische Wüstenstadt in Rajasthan mit prächtiger Festungsarchitektur – als auch im Flaschendesign, das an die goldene Sandsteinarchitektur der Stadt erinnert.
Verkostung des Jaisalmer Indian Craft Gin:
In der Nase steht Wacholder klar im Zentrum, begleitet von einer süßlichen Zitrusschalen-Note und einem Hauch Süßholz. Am Gaumen entwickelt sich der Gin trocken und klassisch strukturiert, mit dem Wacholder weiterhin als tragendem Element, während Zitronengras und Vetiver für eine erdig-grasige Tiefe sorgen, die man von westlichen London-Dry-Gins in dieser Form kaum kennt. Der Kubebenpfeffer bringt eine deutlich spürbare, wärmende Würze ein, die sich langsam aufbaut und dem Gin eine feine Schärfe verleiht, ohne ihn scharf im eigentlichen Sinne zu machen. Im Hintergrund liefert das Darjeeling-Teeblatt eine dezente, leicht gerbstoffige Kräuternote, die den Gesamteindruck erdet. Der Abgang ist trocken, würzig und angenehm lang, mit einem letzten Nachklang von Süßholz und Zitrusschale. Jaisalmer bleibt damit klar in der Tradition des trockenen, wacholderbetonten Gin-Stils, gewinnt seine Eigenständigkeit jedoch durch die indischen Botanicals, die für zusätzliche erdig-würzige Komplexität sorgen.
Steckbrief Jaisalmer Indian Craft Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: Elf Botanicals – Wacholder, Koriander, Vetiver, Orangen- und Zitronenschale, Kubebenpfefferbeeren, Zitronengras, Darjeeling-Grüntee, Angelikawurzel, Süßholz, Kümmel
Hersteller: Radico Khaitan Ltd., Rampur-Destillerie, Himalaya-Vorland, Indien
Maharadscha-Erbe: Positionierung zwischen Tradition und Craft-Bewegung
Radico Khaitan platzierte Jaisalmer bewusst nicht als weiteren "exotischen" Gin unter vielen, sondern als authentisch indische Interpretation des Craft-Gin-Trends, der zum Launch-Zeitpunkt vor allem in Großbritannien und den USA stark wuchs. Die Verwendung von sieben indischen Botanicals – darunter mit Vetiver und Darjeeling-Tee zwei Zutaten, die in der westlichen Gin-Welt bis dahin kaum Verwendung fanden – unterstreicht diesen Anspruch ebenso wie die konsequente Bezugnahme auf die Maharadscha-Ära in Kommunikation und Flaschendesign. Für seine Qualität wurde Jaisalmer unter anderem mit Country-Winner-Gold bei den World Gin Awards 2020 sowie Silber beim International Spirits Challenge 2019 ausgezeichnet – eine bemerkenswerte Bilanz für einen der ersten Craft-Gins des Subkontinents, der zudem zeigt, dass sich Radico Khaitans jahrzehntelange Erfahrung aus der Whisky-Produktion offenbar erfolgreich auf die Gin-Rezeptur übertragen ließ.
Verwendung des Jaisalmer Indian Craft Gin
- Gin & Tonic: Da Zitronengras und Darjeeling-Tee dem Gin eine feine asiatische Kräuternote verleihen, passt East Imperial Yuzu Tonic Water mit seiner hellen, japanischen Zitrusfrucht besonders gut und verstärkt die exotische Ausrichtung des Gins zusätzlich. Alternativ bringt Fever-Tree Aromatic Tonic Water die Gewürznoten von Kubebenpfeffer und Kümmel gut zur Geltung. Ein Stängel Zitronengras als Garnitur rundet den Drink stimmig ab.
- Cocktail: Dank seiner würzig-erdigen Struktur eignet sich Jaisalmer auch als interessante Basis für einen Gin Basil Smash mit Koriandergrün statt Basilikum, das die indischen Aromen des Gins zusätzlich unterstreicht.
Jaisalmer richtet sich an alle, die einen klassisch-trockenen, wacholderbetonten Gin schätzen, sich zugleich aber für ungewöhnliche, regional verwurzelte Botanicals abseits der europäischen Standardrezeptur interessieren. Im Vergleich zum ebenfalls gewürzbetonten Opihr Oriental Spiced London Dry Gin, der seine "orientalische" Würze über Kardamom und Chili aus verschiedenen Weltregionen bezieht, bleibt Jaisalmer geografisch und thematisch konsequenter: Die Botanicals stammen tatsächlich überwiegend aus Indien selbst, statt lediglich eine "exotische" Gewürzroute zu imitieren – ein Gin mit echtem, nachvollziehbarem Ursprung statt bloßer Marketing-Erzählung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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