Herstellung des J.Rose Gin:
J.Rose entstand nicht in einer traditionsreichen Brennerei, sondern im Kopf eines Inneneinrichters: Dario Roselli führt mit Affreschi & Affreschi seit rund zwei Jahrzehnten ein auf handgefertigte Wandbeläge aus Materialien wie Carrara-Marmor und römischem Travertin spezialisiertes Atelier in Salento, Apulien. Als der italienische Comic- und Illustrationskünstler Milo Manara für dieses Atelier eine Tapetenkollektion gestaltete, nutzte Roselli die entstandenen Motive zunächst als private Weihnachtsgeschenke, bevor er die Idee weiterdachte und daraus innerhalb von rund vier Monaten den Gin J.Rose entwickelte. Für die eigentliche Destillation suchte er sich gezielt eine kleine Brennerei in Apulien, die seine Vorstellungen technisch umsetzen konnte.
Destilliert wird in klassischen Kupferbrennblasen, wobei Wacholder und Getreidealkohol gemeinsam mit den übrigen Botanicals redestilliert werden – ganz ohne nachträgliche Zugabe von Zucker oder Aromastoffen, wie es die Bezeichnung "London Dry Gin" europaweit vorschreibt. Mit 43 % vol. liegt J.Rose etwas über der üblichen 40-Prozent-Marke vieler Longdrink-Gins und damit näher an intensiveren Craft-Abfüllungen. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Gins liegt jedoch weniger in der Destillationstechnik als in der Optik: Die Etiketten der acht limitierten Editionen (JR01 bis JR09) zeigen Manaras charakteristische, an Fresken erinnernde Frauenfiguren, gefertigt aus demselben Marmor-Travertin-Gemisch, das sonst für Wände verwendet wird – und jede Flasche trägt zusätzlich einen kleinen, abnehmbaren Dolch als Verschluss, der sich als Schlüsselanhänger weiterverwenden lässt.
Verkostung des J.Rose Gin:
In der Nase präsentiert sich J.Rose zunächst zitrisch und blumig: kalabrische Bergamotte und Mandarinenschale treten deutlich hervor, begleitet von den zart-floralen, leicht wächsernen Noten der sizilianischen Feigenkaktusblüten. Wacholder ist vorhanden und bildet das Rückgrat des Gins, tritt aber bewusst hinter das mediterrane Frucht- und Blütenbild zurück, statt es zu dominieren. Am Gaumen entwickelt sich eine würzige Mitte aus Kardamom und Koriander, die von der erdigen Angelikawurzel gestützt wird, während die Eichenrinde dem Gin eine leicht herbe, holzige Kontur verleiht. Das namentlich nicht genannte, geheime Botanical sorgt für eine dezent grappa-artige, adstringierende Note im Übergang zum Abgang, die J.Rose von rein fruchtig-floralen New-Western-Gins unterscheidet und ihn – laut Hersteller – auch pur trinkbar macht. Der Abgang bleibt vergleichsweise lang und trocken, mit Bergamotte und einem Hauch Kardamom als letzten Eindrücken.
Steckbrief J.Rose Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Bergamotte (Kalabrien), Feigenkaktusblüten (Sizilien), Angelikawurzel, Kardamom, Koriander, Eichenrinde, Mandarinenschale, Macawurzel sowie ein geheimes Botanical
Hersteller: Affreschi & Affreschi / Dario Roselli, destilliert in Apulien, Italien
Ein Gin als Designobjekt: Milo Manara und die Fresko-Etiketten
Was J.Rose von anderen italienischen Craft-Gins unterscheidet, ist die enge Verzahnung von Flasche und Flüssigkeit als Gesamtkunstwerk. Die Etiketten sind keine bloßen Aufkleber, sondern werden aus demselben Materialgemisch aus Marmorstaub und Travertin gefertigt, mit dem Affreschi & Affreschi sonst Wände veredelt – dadurch wirkt jede Flasche wie ein kleines Fresko und fühlt sich entsprechend hochwertig an. Milo Manara zählt zu den bekanntesten italienischen Comiczeichnern und ist international vor allem für seinen sinnlichen, an die italienische Renaissance und den Jugendstil angelehnten Zeichenstil bekannt; seine acht Motive für J.Rose reichen von an Botticellis Venus erinnernden Darstellungen bis zu Flamenco-Themen. Diese Verbindung aus Kunsthandwerk, Illustration und Spirituose macht J.Rose zu einem Produkt, das sich ebenso an Sammler und Geschenkkäufer wie an reine Gin-Trinker richtet – ein Ansatz, der im eher nüchternen deutschen Gin-Markt noch selten ist.
Verwendung des J.Rose Gin
- Gin & Tonic: Die zitrisch-blumige Ausrichtung mit Bergamotte und Mandarine harmoniert gut mit Fever-Tree Mediterranean Tonic Water, dessen milde Süße und Kräuternote die mediterranen Aromen des Gins unterstützt, statt sie zu übertönen. Wer die florale Seite betonen möchte, kann alternativ zu Thomas Henry Botanical Tonic greifen.
- Pur oder auf Eis: Aufgrund des geheimen, grappa-ähnlichen Botanicals eignet sich J.Rose laut Hersteller ausdrücklich auch für den puren Genuss oder auf einem großen Eiswürfel, ganz ohne Tonic – eine Empfehlung, die bei klassischen London Dry Gins eher selten ausgesprochen wird.
- Garnitur: Eine Zeste Bergamotte oder Mandarine unterstreicht die Zitrusnoten zusätzlich.
J.Rose richtet sich vor allem an Gin-Trinker, die neben dem Geschmack auch Wert auf Design und Herkunftsgeschichte legen, und an Käufer, die einen besonderen Gin verschenken möchten. Im Vergleich zu anderen mediterran geprägten New-Western-Gins wie dem spanischen BCN Gin setzt J.Rose weniger auf ein möglichst breites Botanical-Spektrum als auf wenige, gezielt ausgewählte Zutaten aus Kalabrien und Sizilien – kombiniert mit einer Flaschengestaltung, die im Craft-Gin-Segment ihresgleichen sucht.
Preislich bewegt sich J.Rose mit rund 47,50 Euro für die 0,7-Liter-Flasche deutlich über dem Niveau klassischer Supermarkt-Gins und eher auf Augenhöhe mit ausgesuchten Sammlerabfüllungen – ein Preis, der sich auch aus der aufwendigen Etikettengestaltung und der limitierten Editionsstruktur erklärt. Wer die acht verschiedenen Manara-Motive sammeln möchte, findet zudem Geschenkboxen mit passenden, gebrandeten Gläsern im Handel. Für die reine Longdrink-Praxis unterscheidet sich J.Rose damit weniger im Preis-Leistungs-Verhältnis als in der Zielgruppe: Es ist ein Gin, der bewusst als Ganzes – Flüssigkeit, Etikett und Geschichte – wahrgenommen werden will, statt in erster Linie über ein besonders komplexes Botanical-Spektrum zu überzeugen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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